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Die Allendorfer Sprengstoffwerke DAG und WASAG

von Dipl. Ing. Hans-Jürgen Wolff

Bis 1938 war Allendorf eine unbedeutende Landgemeinde. Ihre agrarische Struktur war durch eine Vielzahl von Klein- und Kleinstbetrieben geprägt. Für diese Landwirte bestand der Zwang zum Nebenerwerb, um dadurch der bitteren Armut entgehen zu können. Weitverbreitet war die Nebenerwerbstätigkeit in den Industriegebieten des Rheinlandes und Westfalens oder eine Tätigkeit als reisender Händler.

Als 1938 im Allendorfer Raum mit dem Bau zweiter Rüstungsbetriebe begonnen wurde, setzte eine Sonderentwicklung ein, die Allendorf - gleichsam über Nacht - zu einem industriellen Schwerpunkt von bedeutendem Ausmaß werden ließ.

Nach Kriegsende begrüßten viele Einwohner die Absicht der Besatzungsmächte, die Werksanlagen völlig dem Erdboden gleichzumachen, da sie damit die Hoffnung verbanden, wieder in ihre alte Anonymität zurückfallen zu können.

Die Entwicklung verlief jedoch anders.

In den ersten Nachkriegsjahren boten die leerstehenden Barackenlager, die für die Arbeiter der Sprengstoffwerke errichtet worden waren, vielen Heimatvertriebenen ein Dach über dem Kopf. Darüber hinaus brauchte die Demontage der Werke und das parallel dazu verlaufene Delaborierungsprogramm für eine Übergangszeit eine Erwerbsmöglichkeit.

Zu der von vielen Allendorfern gewünschten Rückentwicklung kam es jedoch nicht, weil die Militärregierung von mehreren Seiten zu einer teilweisen Revision ihrer Zerstörungspläne veranlasst werden konnte. Dahinter standen die von verschiedenen Stellen, wie Kreisverwaltung und Landesregierung, gefassten Pläne, die Werksgebäude, soweit sie von Sprengungen verschont werden konnten, für die Ansiedlung ziviler Industrien zu nutzen. Um den tiefen Strukturwandel zu begreifen, der sich innerhalb von 10 Jahren in Allendorf vollzog, ist es notwendig, einen kurzen Abriss von der Gemeinde sowie der wirtschaftlichen und sozialen Struktur ihrer Bevölkerung vor Errichtung der Sprengstofffabriken zu geben.

Preis: 17,50 € zzgl. Porto und Versand