Zwölf junge Sprachstipendiaten aus Tschechien für einen Tag zu Gast in Stadtallendorf zum Programm »Deutschland Plus«
Zwölf junge Sprachstipendiaten aus Tschechien für einen Tag zu Gast in Stadtallendorf zum Programm „Deutschland Plus“
Den 24.08.2026 verbrachte eine Gruppe von zwölf tschechischen Sprachstipendiaten in Stadtallendorf. Dabei handelt es sich um Schülerinnen und Schüler aus allen Regionen unseres Nachbarlandes im Alter von 15 bis 17 Jahren, die an ihren Heimatschulen Deutsch als Schwerpunktfach gewählt und sich das Ziel gesetzt haben, mit dem Abitur das Deutsche Sprachdiplom II zu erwerben. Dies ermöglicht ihnen, ohne weitere Prüfung von Sprachkenntnissen an deutschen Hochschulen studieren zu können. Als Anerkennung für ihre bisher gezeigten Leistungen rund um die deutsche Sprache und als Anerkennung für ihr Interesse an deutscher Geschichte und Kultur wurden sie vom Pädagogischen Austauschdienst (PAD) in Bonn für ein fast dreiwöchiges Stipendium, das unter dem Namen „Deutschland Plus“ firmiert, nach Deutschland eingeladen. Bevor sie zum Abschluss des Stipendiums vier Tage in Berlin verbringen, sind sie für zwei Wochen Gäste des Gymnasium Philippinum in Marburg, das sich bereits seit 50 Jahren in diesem Programm engagiert. Sie wohnen bei gleichaltrigen Schülerinnen und Schülern und deren Familien, besuchen täglich die Schule und erhalten Unterricht u.a. in den Fächern Geographie, Geschichte, Deutsch, Politik, Wortschatz und Grammatik, der von Lehrkräften der Schule bzw. dem Begleitlehrer aus Tschechien, Herrn Vojtech Korec, erteilt wird.
Zwei Lehrkräfte des Gymnasium Philippinum, Herr Rainer Hermann, ehemaliger und schon seit 11 Jahren pensionierter Lehrer mit den Fächern Englisch und Geographie, und Frau Martina Hensche, aktiv mit den Fächern Geographie, PoWi und Deutsch, suchten im Vorfeld die Gastfamilien, organisierten das Programm und sind jetzt Ansprechpartner für die Gruppe. Zum Programm zählen eine Tretboot-Partie auf der Lahn zum Kennenlernen, ein Empfang im Marburger Rathaus mit anschließender Führung durch die Universitätsstadt, ein Besuch in der Uni sowie eine Wanderung über die Lahnberge ins Marburger Umland. Den Höhepunkt bilden, neben der Reise nach Berlin, Tagesausflüge nach Frankfurt, Kassel, an den Mittelrhein sowie nach Stadtallendorf.
Das Besucherprogramm in Stadtallendort begann mit der herzlichen Begrüßung durch Herrn Köller, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Stadtallendorf, am Georg-Gassmann-Stadion. Nach der Ankunft in Stadtallendorf fuhr der Bus zum alten Dorfkern. Hier beschrieb Herbert Köller den Gästen aus Tschechien eindrücklich den ursprünglichen Charakter Allendorfs und besuchte mit ihnen die katholische Kirche St. Katharina. Im Anschluss ging es zum Mittagessen in die Gorg-Büchner-Schule, wo uns Herr Bitzhöfer und zwei seiner Schülerinnen begrüßten.
Im Anschluss an das Mittagessen und nach einem Gespräch mit Herrn Köller über seine persönlichen Verbindungen zu Tschechien ging es zum Gebäude der Sparkasse. Da das DIZ wegen der Umbauarbeiten momentan nicht besucht werden kann, fand dort die Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt, Herrn Somogyi, statt. Danach erläuterte Marcus Bitzhöfer, Lehrer an der Georg-Büchner-Schule und Mitarbeiter im Dokumentationszentrum, den jungen Gästen die Entwicklung der Stadt vom kleinen hessischen Bauerndorf zum größten Sprengstoffwerk Europas während der Diktatur der Nationalsozialisten.
Im Anschluss fuhren wir durch „neuere“ Wohngebiete der Stadt, die auf dem Gelände der ehemaligen WASAG bzw. der ehemaligen DAG liegen. Herr Köller erklärte hier den Schülerinnen und Schülern, woran man an den Gebäuden erkennen kann, dass es sich um ehemalige Bunker der Sprengstofffirmen handelt. Bestaunt wurde auch das riesige Gelände der Firma Ferrero. Dieser Firmenname ist – im Gegensatz zu anderen Stadtallendorfer Firmen – auch den tschechischen Gästen ein Begriff und die Produkte wohl bekannt.
Den Abschluss der Stadterkundung bildete der Besuch in der Fatih-Moschee, was für die Mehrheit der tschechischen Gäste einer Erstbegegnung mit dem Islam gleichkam. Hier gelang es Serdar Özsoy, dem Religionsbeauftragten der muslimischen Gemeinde, der Gruppe manches Detail des Gebäudes zu erklären. Daneben zeigte er, dass es neben zahlreichen Unterschieden auch vielfältige Gemeinsamkeiten zwischen dem christlichen und muslimischen Glauben gibt. Am Ende konnten sich die Gäste bei etwas Gebäck und wunderbarem Tee von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der türkisch-muslimischen Gastgeber überzeugen, und es kam zu einem interessanten Gedankenaustausch.
Auf der anschließenden Rückfahrt nach Marburg machte Herbert Köller noch einen Kurzstopp an der Gedenkstätte des Arbeitslagers Münchmühle, dankte der Gruppe für ihren Besuch und äußerte – gerade auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Biografie – den innigen Wunsch, dass die Begegnung und der gedankliche Austausch junger Menschen aus unterschiedlichen Nationen und Kulturkreisen zu einer friedlichen Welt beitragen mögen, die geprägt ist von Offenheit, Toleranz und Zusammenhalt.
Sichtlich ergriffen verabschiedeten sich die jungen Leute aus Tschechien und ihre zwei Begleiter mit einem herzlichen Dankeschön und spendeten herzlichen Applaus für eine gelungene Informationsveranstaltung rund um die größte Gemeinde im Ostkreis von Marburg-Biedenkopf.
Zum Abschluss noch einige O-Töne der tschechischen Gäste:
„Das besondere über diese Exkursion war, dass es eine Bedeutung hatte, Freundschaften zwischen deutschen und tschechischen SuS zu schließen. Stadtallendorf hatte uns viele historische Ereignisse, moderne und industrielle Seite aber auch die Kultur, Werten und Traditionen die dieser Stadt bereichern.“ (Valérie H. aus Prag, 15 Jahre)
„Mit hat am meisten die Stadtrundfahrt mit dem Bus gefallen. Wir haben die Ferrero Fabrik gesehen. Das war sehr interessant für mich. Auch der Besuch auf einer Schule war gut. Ich konnte eine Schule sehen, die total anders als in Tschechien aussieht. Stadtallendorf hat sehr interessante und auch wichtige Geschichte und ich habe gerne etwas über die Geschichte gelernt.“ (Daniel M. aus Luhacovice, 17 Jahre)
„Der Besuch in der Moschee hab ich sehr viel gefallen. Der Mann da hat und alle Sache da sehr gut erklärt und wir haben auch einen Tee und ein Stück Gebäck bekommen. Das Mittagessen war auch lecker. Ich finde unseren Besuch des Tors des Arbeitslagers sehr interessant. Ich denke es ist gut über das Thema zu sprechen.“ (Katerina K. aus Prag, 16 Jahre)
„In Stadt Allendorf hat mir gefallen, dass ich die Gebäude, in denen vorher Sprengstoff hergestellt wurde, sehen konnte. Interessant war auch ganze Geschichte dazu zu hören. Auch die Moschee hat mir gefallen, weil ich bevor noch nie in der Moschee war.“ (Zdenek P. aus Chvalatice, 17 Jahre)