Niederkleiner Rundwanderweg

Willkommen auf dem Niederkleiner Rundwanderweg. Neben der reizvollen Natur bieten sich dem Wanderer Panoramablicke auf Schweinsberg, den Ebsdorfergrund, die Lahnberge, die Amöneburg bis hin nach Langenstein, sowie interessante historisch belegbare Einblicke in unsere Dorfgeschichte und spannende Sagen mit Erzählungen.

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Niederklein

Der größte Stadtallendorfer Stadtteil wechselte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder den Ortsnamen, dessen Ursprung im Bach Glene/Gleen liegt. Glene, Gleyne, Nydernglene oder Niederglein sind allesamt Varianten des keltischen Begriffs „glene“, der „klares, reines Wasser“ bedeutet.

Das an einer vorgeschichtlichen Wegkreuzung und oberhalb einer alten Glene „Furt“ gelegene Dorf wird erstmals in einer Fuldaer Urkunde aus der Zeit zwischen 780 und 802 erwähnt.
Um 1248 wird aus Gleyne ein bedeutender Wirtschaftshof und der Mittelpunkt einer Mainzer Grundherrschaft. Seinerzeit war Niederklein Mainzischer Gerichtsvorort mit einer Gerichtslinde vor dem Wehrfriedhofseingang und Stammsitz der Ritter- und Ministerialfamilie von Glene.

Damals wie heute tragen die Niederkleiner Einwohner den Neck-Namen „Gleer Sandhasen“. Dieser Name hat seinen Ursprung in dem sandigen Boden der Gemarkung, in dem vor allem Kartoffeln gut gedeihen, die als „Sandhäschen“ bezeichnet werden. Die Niederkleiner pflegen diese Namenstradition und feiern jährlich am dritten Wochenende im Juni das als „Sandhasen-Kirmes“ bezeichnete Kirchweihfest.

Der Niederkleiner Rundwanderweg startet am Bürgerhaus und setzt sich oberhalb des Sportplatzes in Richtung Amöneburg fort.

1   Wegekreuz am Sportplatz / Schützenhaus

Das Wegekreuz wurde erstmals 1897 errichtet. Es wechselte mehrmals den Standort und wird bei Flurprozessionen mit einbezogen. Von hier aus haben Sie einen herrlichen Blick auf die Amöneburg. Niederklein gehörte ehemals zur Abtei Amöneburg und wurde 1407 an den Erzbischof von Mainz verkauft. Am 19. November 1417 ging Niederklein schließlich in die Besitztümer der Stiftsherrn von Amöneburg über. Schon damals ergibt sich die Bedeutsamkeit von Glene daher, dass alle östlich gelegenen Orte, in denen das Erzbistum Ländereien hatte, Abgaben an Glene leisten mussten.

2   Hunsgeweide

Das Hunsgeweide war eine kleine Siedlung. Erst 1960/61 wurden Kellermauern freigelegt. Wer Lust hat, kann die ehem. Siedlung abseits des Weges erkunden.

3   Brückerwald

Der Brückerwald ist ein beeindruckender Zeuge der Geschichte. Hier befinden sich noch Hügelgräber aus der Bronzezeit. Bis zum Jahr 1456 befand sich dort die Siedlung Falkenhain, in der bis in die 1950er Jahre Quarzit abgebaut wurde. Gleichzeitig diente sie in den Kriegsjahren als Barackenlager, welches ebenfalls bis in die 50er Jahre bewohnt war.
Etwas unterhalb des Wanderwegs an der K94 befindet sich das sogenannte Sälzerkreuz. Dort führte früher die bedeutende Köln-Leipziger Handelsstraße vorbei, die bei den Niederkleineren als „Alter Amöneburger Weg“ bekannt war. Schon der hl. Bonifatius soll hier entlang gegangen sein. Im Mittelalter fuhren dort fast täglich schwer beladene Wagen, unter ihnen auch Salzhändler mit ihren kostbaren Waren. Nach alten Überlieferungen aus dem Jahre 1668 soll hier ein Geistlicher oder ein Salzhändler verunglückt sein. Im Gedenken wurde das Sälzerkreuz errichtet.

4   Todenmühle / Nixmühle

Die Todenmühle ist ein Mühlengehöft am rechten Ufer der Klein, knapp 2 km nordwestlich Niederkleins, oberhalb eines Brückenübergangs. Bis 1357 ist ein Lutz von Todenbrücke der Besitzer der halben Mühle, die später dem Stift Amöneburg gehörte. Der Name Todenmühle führt auf das ehemalige Dorf Todenbruck zurück. Seit 1848 ist die Mühle im Besitz der heutigen Eigentümerfamilie.

Im Verlauf des weiteren Weges sieht man auf der rechten Seite die Nixmühle (Ersterwähnung 1567). Die Mühle hatte zwei Getreidemahlgänge und einen Ölmahlgang. Man erzählt sich, dass dort früher am Nixbrunnen Nixen gelebt hätten. Drei Nixen seien eine Zeit lang abends nach Niederklein in die Spinnstube gekommen. Pünktlich um 23 Uhr verließen sie aber jedoch immer die Stube und niemand konnte sie davon abbringen. Nun hatte sich ein Niederkleiner Bursche in eine der schönen Wasserjungfrauen verliebt und er wollte abends gerne noch etwas länger mit ihr zusammen sein. Aus diesem Grund stellte er die Wanduhr um eine volle Stunde zurück. Ahnungslos begaben sich die Nixen an diesem besagten Abend um 23 Uhr heim, aber als sie am Nixbrunnen ankamen, war es in Wirklichkeit schon nach 24 Uhr. Am nächsten Morgen schwammen drei Blutstropfen auf dem Brunnen und die Nixen wurden nie wieder gesehen. Auch der Bursche, der die Uhr zurückgestellt hatte, verstarb am dritten Tag des Geschehens, er wurde tot im Niederkleiner Feld gefunden.

5   Buchenwald

Im Buchenwald wurde 1938 mit dem Bau des größten Sprengstoffwerkes Westeuropas begonnen. Zum Kriegsende befanden sich 413 Gebäude auf diesem Gebiet. Hierfür wurden der Gemeinde Niederklein 85 ha Wald für den Bau der Werke enteignet. Noch heute befinden sich im Wald Reste der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Von hier aus hat man einen Blick auf das ehemalige Lager Drausmühle, das zu dem vom „Reichsarbeitsdienst“ (RAD) des NS-Regimes genutzten Barackenlager in und um Stadtallendorf gehörte. Etwas außerhalb, im Süden des Sprengstoffwerkes der DAG im Herrenwald (Allendorf) gelegen, umfasste dieses Lager mindestens fünf Baracken. Nach der Befreiung 1945 wurde das Lager zunächst von Fremdarbeitern und später von Heimatvertriebenen bewohnt. Erst 1962 wurde das Lager vollständig geräumt. Fundamente der Baracken wurden im Zusammenhang mit Straßenbauarbeiten der A49 wieder sichtbar. Ausführliche Information unter www.diz-stadtallendorf.de

6   Branntweinspfad / Mariengrotte

Der Weg führt nun weiter bis zur Kirschbrücke. Hier befand sich früher eine Zollstelle. Um diese zu umgehen, wurde der Branntwein (Schnaps) über einen geheimen Pfad im Wald von Homberg ins Mainzische Gebiet geschmuggelt. Vom Wanderweg aus kann man einen kurzen Abstecher zur Mariengrotte unternehmen, die 1975 in Eigenleistung erbaut und eingeweiht wurde. Die Statue wurde von einer Niederkleinerin gestiftet, nachdem sie einen landwirtschaftlichen Unfall überlebt hatte. Die Sandsteine sind aus der Niederkleiner Gemarkung.

7   Kirche

Am Ende der Wanderung empfehlen wir einen kurzen Besuch in unserer Pfarrkirche.
Die Ersterwähnung der Kirche geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Am 18. September 1697 wurde fast das gesamte Dorf Opfer einer verheerenden Brandkatastrophe. Auch die Kirche brannte nieder. Stehen blieb nur der mächtige Wehrturm mit einer steinernen Pechnase und Schießscharten.

Die Kirche wurde dann im barocken Stil neu aufgebaut und am 8. Juli 1706 zu Ehren des heiligen Blasius eingeweiht. Ab 1736 kam als weitere Patronin Elisabeth von Thüringen hinzu. 1886/87 wurde das Innere des Gotteshauses renoviert. Die Kirche erhielt eine gotische Ausstattung, deren Gewölbe noch heute sichtbar ist. Im Jahr 1971 wurde das Kirchengebäude durch einen Anbau erweitert. Niederklein wechselte in Zeiten der Religionskriege mehrmals die Konfession.

Wir wünschen den Wanderern einen spannenden und informativen Rundlauf.
Ca. 10 km / 2 Stunden